Dichterpfarrer Paul Gerhardt 1607 - 1676

350 Jahre liegt das Sterbedatum des berühmten Dichterpfarrers Paul Gerhardt zurück. Er lebte in der Zeit des 30jährigen Krieges, der die Bevölkerungszahl zusammen mit Hunger und Seuchen halbierte. Luther lebte und wirkte etwa 100 Jahre vorher (1483 - 1566). Er prägte mit seiner Bibelübersetzung Paul Gerhardt maßgebend.

Gerhardt wollte wie seine Vorfahren Pfarrer werden und besuchte als 15jähriger das Eliteinternat Grimmaer Fürstenschule für Religion, Grammatik, Rhetorik, Dialektik, Astronomie, Poesie und Musik. Selbst in der Freizeit wurde Latein gesprochen. Danach studierte er 14 Jahre lang an der theologischen Lutheruniversität zu Wittenberg. Er war für sein ganzes Leben geprägt durch Gottvertrauen, Frömmigkeit und Einfachheit. Seine Schaffenskraft ist bewundernswert, bei aller Schlichtheit und schweren Lebensverhältnissen. Er heiratete sehr spät, verlor seine Frau nach 13 Ehejahren und nur eines seiner Kinder überlebte.

Paul Gerhardt dichtete unermüdlich und brachte wunderbare Werke zustande, die heute noch unsere Gesangbuchslieder bereichern. Als Pfarrer in Mittenwalde, Berlin (damals 6000 Einwohner) und Lübben wurde er berühmt. Sein Glauben hat ihn auch in schwersten Zeiten getragen. Allerdings musste er gegen die Obrigkeit auch Niederlagen verkraften.

Heute, 350 Jahre weiter, verlieren die Konfessionen zunehmend Mitglieder, die Moscheen dagegen ziehen viele Jugendliche an. Beim Ramadan sieht man, dass die Sozialkontrolle dafür ausschlaggebend ist. Seit der Christianisierung durch Karl den Großen mit dem Schwert und einer langen, mächtigen Zeit der Kirchen, sind wir heute in einer anderen Welt. Die Zahl der Kirchenaustritte ist hoch und die Menschen erfahren dadurch keine Nachteile mehr in der Gesellschaft. Zudem hat sich die Weltsicht geändert mit Urknall, Weltraumfahrt, Wissenschaft und Technik. Vielleicht muss die biblische Geschichte neu erzählt werden, um den Menschen Halt und Zuversicht in den großen, existenziellen Krisen unserer Zeit zu geben?